Ein Einblick: Was die Sinneswahrnehmung mit Mathe zu tun hat

November 14, 2017
Auge
Menschen mit einer Dyskalkulie nehmen viele Dinge anders wahr. Copyright: Pixabay

Viele Menschen kennen sich mit dem Thema Dyskalkulie nicht aus. Sie glauben, die Lernschwäche stünde im engen Zusammenhang mit mangelnder Intelligenz. Das ist jedoch falsch. Dyskalkuliker sind nicht weniger intelligent als andere Menschen – ganz im Gegenteil. Sie haben aber ein mangelndes Verständnis für Zahlen und den Zahlenraum und eine differente Sinneswahrnehmung. Sie nehmen Dinge in der Umgebung schlichtweg anders wahr als Menschen ohne Lernschwäche.

Mangelhaft ausgeprägte Sinneswahrnehmung sorgt für Mathe-Schwierigkeiten

Die Raumwahrnehmung und das Körperschema üben den größten Einfluss auf die mathematischen Kompetenzen aus. Die Raumwahrnehmung sorgt dafür, dass wir eine Position in einem Raum oder Lageunterschiede richtig erkennen und einschätzen können. Das Körperschema beschreibt die Wahrnehmung und die Orientierung am eigenen Körper. Wer hier Defizite aufweist, hat zum Beispiel Probleme bei der Bestimmung von rechts, links, hinten und vorne.

Außerdem spielen auch die akustische und die visuelle Wahrnehmung eine Rolle beim Mathe-Erlernen. Sowohl die akustische als auch die visuelle Wahrnehmung wird in verschiedene Bereiche eingeteilt: Bei der akustischen Wahrnehmung unterscheidet man zwischen dem akustischen Differenzieren, dem akustischen Gedächtnis und der akustischen Serialität.

Das akustische Differenzieren beschreibt die Unterscheidung verschieden klingender Laute und Buchstaben, wie zum Beispiel „M“ und „N“ oder „D“ und „T“. Das akustische Gedächtnis ermöglicht das Erkennen und Merken von schon einmal gehörten Wörtern, Lauten und Sätzen. Die akustische Serialität sorgt dafür, dass wir gehörte Laute in die richtige Reihenfolge bringen, sie nicht vertauschen oder durcheinander bringen.

Zahlen

Dyskalkuliker sind in der Regel nicht weniger intelligent als andere Menschen. Copyright: Pixabay

Dieselben Unterscheidungen in Differenzierung, Gedächtnis und Serialität gibt es auch in der visuellen Wahrnehmung. Das optische Differenzieren beschreibt die Unterscheidung von ähnlich aussehenden Formen und Buchstaben, wie zum Beispiel „p“ und „q“ oder einem Rechteck und einem Quadrat. Das optische Gedächtnis ist dafür zuständig, Gesehenes wiederzuerkennen und es sich zu merken. Die optische Serialität sorgt dafür, dass man sich Reihenfolgen merken kann.

Durch die veränderte Sinneswahrnehmung machen Dyskalkuliker oft Fehler, die für andere nicht nachvollziehbar sind. So schreiben sie zum Beispiel Zahlen wie fünfundzwanzig als „52“. Es erscheint ihnen logisch, dass die bei der Aussprache erstgenannte Zahl, also die fünf, zuerst geschrieben wird.

Im Vorschulalter kann ein Training der Sinneswahrnehmungen vorbeugend hilfreich sein und sollte auch in den weiteren Schuljahren fortgeführt werden. Ein solches Training kann sich aus unterschiedlichen Übungen zusammensetzen. Beispielsweise sollen Kinder unter einem Tuch versteckte Gegenstände ertasten und identifizieren. In einer anderen Übung wird in die Mitte eines Zeichenpapiers eine Linie gezogen und die Kinder sollen beidhändig darauf zeichnen. Ist das Körperschema gut ausgeprägt, sieht die Zeichnung auf beiden Seiten der Linie gleich aus.

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