Lesen lernen: Wie läuft das eigentlich?

Dezember 8, 2017
Lesen lernen
Buchstaben, Silben, Wörter – beim Lesenlernen müssen Kinder grundlegende Prinzipien begreifen. Copyright: Pixabay

Welcher Laut steht für welchen Buchstaben? Wann wird ein Vokal lang ausgesprochen und wann kurz? Wie ist ein Satz aufgebaut? Wenn Kinder mit dem Lesen anfangen, müssen sie grundlegende Dinge erlernen, die für Erwachsene selbstverständlich sind. Doch wie läuft das eigentlich ab?

Deutsch oder Chinesisch – wo ist der Unterschied?

Um zu verstehen, wie Kinder Sprachen lernen, muss man zunächst wissen, wie eine Sprache aufgebaut ist. Die meisten uns bekannten Sprachen sind Alphabetsprachen. So auch das Deutsche. Das bedeutet, dass Laute (Phoneme) durch Buchstaben (Grapheme) verschriftlicht werden. Dabei können verschiedene Laute durch den gleichen Buchstaben ausgedrückt werden. Ansonsten hätte vermutlich jeder Dialekt seine eigenen Buchstaben. Man denke an das hochdeutsche „r“ im Vergleich zum bayrischen, gerollten „r“. Umgekehrt kann ein Buchstabe auch für zwei verschiedene Laute stehen. Die Aussprache des „e“ in „lesen“ unterscheidet sich von der in „Menge“. Diese ähnelt vielmehr dem „ä“ in „Hände“. Im Finnischen ist die Konsistenz zwischen Buchstaben und Lauten viel enger. Dort wird ein Laut meist nur einem Buchstaben zugeordnet.

Ganz anders ist beispielsweise die chinesische Sprache aufgebaut. Dort wird jede Silbe durch ein Schriftzeichen ausgedrückt. Es handelt sich also um eine Silbensprache. Diese Schriftzeichen sind oft stilisierte Symbole. Durch zahlreiche Reformen wurden sie jedoch immer weiter vereinfacht, sodass sie heute nur noch entfernt an die Symbole von früher erinnern (z. B. chin. „Pferd“ = 马 „ma“). Ein ähnliches Sprachsystem ist auch aus dem alten Ägypten bekannt. Die Hieroglyphen verschriftlichten keine Laute, sondern ganze Wörter.

Chinesisches Schriftzeichen

Das chinesische Schriftzeichen für „Freundschaft“. Copyright: Pixabay

Buchstaben, Laute, Wörter – Lesen lernen im Deutschen

Wenn Kinder einmal verstanden haben, dass Laute im Deutschen durch Buchstaben verschriftlicht werden, steht dem Lesen lernen nichts mehr im Weg. Wissenschaftler nennen dies die „phonologische Bewusstheit“. Sie wird meist bereits im Kindergarten oder in der Vorschule erlernt. Nach und nach lernen die Kinder, einzelne Laute zu hören, im Wort zu isolieren und voneinander zu unterscheiden. Erst im zweiten Schritt kommen die Buchstaben hinzu. Nachdem die Kinder gelernt haben, die einzelnen Buchstaben zu erkennen und selber zu schreiben, wird eine Verknüpfung zwischen Buchstaben und Lauten hergestellt.

Besondere Hürden beim Schreiben und Lesen lernen

Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund tun sich oft schwer beim Lesenlernen. Die Unterschiede zu ihrer Herkunftssprache sind meist groß und das Sprachsystem muss grundlegend neu verstanden werden. Doch auch Kinder, die Deutsch als Muttersprache erlernen, haben manchmal Probleme beim Lesenlernen. Einigen Kindern fällt es schwer, lange von kurzen Vokalen zu unterscheiden und so beispielsweise die unterschiedliche Schreibweise ähnlicher Wörter zu verstehen (z. B. „Hase“ vs. „hasse“). Auch die Ähnlichkeit einiger Buchstaben zueinander kann Kinder verwirren (z. B. „b“ vs. „d“ oder „q“ vs. „p“). Solche Kinder profitieren von einer spezifischen Förderung, mit der sie genau diese Bereiche trainieren können.

Meister Cody

Meister Cody fördert die Lautidentifikation, die Buchstabe-Laut-Beziehung und das Wortlesen. Copyright: Meistercody.com

Eine Förderlösung, die auf den aktuellsten Methoden der Lernforschung basiert, ist Meister Cody – Namagi. In verschiedenen Übungen lernen die Kinder, Laute zu isolieren, lange von kurzen Vokalen zu unterscheiden oder Buchstaben mit Lauten zu verknüpfen.

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